Edition der Briefe Ph. J. Speners

Blog des Editions-Projekts der Sächsischen Akademie der Wissenschaften zu Leipzig

Seite 2 von 5

Zitat der Woche:

Zum Internationalen Tag der Migranten:

„Daß in dem Hochlobl[ichen] Fürstentuhm Wirtenberg die aufnahm der verjagten armen Waldenser resolviret worden, ist mir eine rechte freude, als der ich den armen leuten billig gönne, daß sie mögen nach ihren langen trangsahlen wiederum eine ruhe finden, daher ich auch hoffe, daß sie einem lande segen bringen werden, welches barmhertzigk[eit] an Ihnen erzeiget; ich zweifle auch nicht, da die herzen zu einer liebe und vertrauligkeit zu uns durch liebreiche aufnahm werden gelenket werden, so werde auch solches eine bereitung derselben seyn, unsere warheit auch völliger zu erkennen. Daher wünsche, daß die tractaten durch anderwerts herkommende consilia, wie etwas anregung geschehe, nicht mögen unterbrochen, sondern zum stande und vollziehung gebracht werden. Der Herr sehe der armen leute, die nicht um ihrer noch anklebenden irrthumen, sondern eigentlich um der mit uns gemeinen warheit willen vorneml[ich] leiden, elend an, laße sie sich wiederum erquicken, und, wo die reihe des leydens auch uns betreffen wird, zeige auch uns einen ort der zuflucht.“

Aus Speners Brief an Johann Georg Kulpis (Dresden, 29. Februar 1688); in: Philipp Jakob Spener, Briefe aus der Dresdner Zeit, Brief Nr. 20, Zeilen 1-15.

Zitat der Woche

Dona homiletica mediocria sunt, et nescio an studia tam profunda: sed gerendarum rerum usu et experientia non dubito prudentiae quod satis est sibi conquisivisse, uti omnino videtur practicae quam theoreticae vitae indoles ipsius magis convenire.

 

(Die homiletischen Gaben sind mittelmäßig, auch weiß ich nicht, ob seine Studien so tiefgehend sind; ich zweifle jedoch nicht, dass er sich in der Ausübung und Erfahrung der Amtstätigkeit hinreichende Kenntnis erworben hat, wie überhaupt sein Naturell mehr zum praktischen als zum theoretischen Leben zu passen scheint.)

 

Speners Einschätzung eines neu gewählten Generalsuperintendenten (Günther Heiler [1645-1707]), im Brief an Adam Rechenberg vom 25.9.1688

Zitat der Woche

Zum Reformationstag:

„Vor einen Reformatorem der kirchen mich anzugeben, lasse ich mir die thorheit nicht aufsteigen, sondern weiß mich meiner schwachheit zu entsinnen, daß dazu weder weißheit noch krafft empfangen habe. Lasse mir also genügen, daß ich mit unter die stimmen gehören möge, welche die jenige zu der reformation helffen auffmuntern, die der HErr dazu außgerüstet haben mag. In solcher sache also bedarff ich keines anhangs oder andere an mich zu ziehen.“

Aus Speners Brief an Friedrich Breckling in Amsterdam (Frankfurt a.M., kurz  nach  dem  Bußtag  am  25. 11. 1681); in: Philipp Jakob Spener, Briefe aus der Frankfurter Zeit, Brief Nr. 123, Zeilen 238-244.

Zitat der Woche

„Durch schreiben unter uns über solche streit=sachen zu conferiren, ist mir nicht thunlich. Ich bedarff meine zeit zu andern nützlichern dingen und habe aus dem erfolg auf die ersten meine briefe gesehen, wie mißlich es seye zu correspondiren, wo man auff anderes hinziehlet, wie sich damal der ausgang gezeiget und mich darinnen klüger gemacht.“

 

Aus Speners letztem Brief an Georg Conrad Dilfeld ( Franfurt a.M., 27.1.1683; ThBed 3, 566-568).

Dilfeld (ca. 1630-24.4.1684), geboren in Nordhausen, war seit 1656 Diaconus an der Nikolaikirche in seiner Heimatstadt und profilierte sich seit 1663 in der frühneuzeitlichen Öffentlichkeit mit diversen Streitschriften gegen aus seiner Sicht heterodoxe Theologen. Mit ihm führte Spener seine erste große Auseinandersetzung, nachdem Dilfeld ihn und seinen Schwager Johann Heinrich Horb 1679 mit der Theosophia Horbio-Speneriana Oder Sonderbahre Gottes Gelahrtheit Hn. Henrici Horbs […]; Und seines Schwagers Hn. Philippi Jacobi Speners Theologiae Doctoris, Primarii und Senioris des Ministerii zu Franckfurt am Mayn … angegriffen hatte. Der Streit zog sich mehrere Jahre hin, ebenso wie der Briefwechsel beider Kontrahenten – allerdings zunehmend zu Speners Unzufriedenheit. Mit diesem Brief zu Beginn des Jahres 1683 brach Spener den Kontakt endgültig ab.

Literatur zur Auseinandersetzung zwischen Dilfeld und Spener:
J. Wallmann, Spener und Dilfeld. Der Hintergrund des ersten pietistischen Streits, in: Ders., Theologie und Frömmigkeit im Zeitalter des Barock. Tübingen: Mohr 1995, 197-219.

350. Promotionsjubiläum

Lessing, Schleiermacher und Spener, drei Statuen von deutschen Denkern auf dem Gesims des Palais universitaire de Strasbourg

Am Nachmittag des 23. Juni 1664 fand der feierliche Promotionsakt statt. Spener hatte über die Auslegung von Offb 9,13-21 gearbeitet. Zur Feier erörterte Spener, ob die Mohammedaner zu Recht die Stelle Jes. 21,7, wo von dem Cursus asini und dem Cursus cameli die Rede ist, auf Christus und Mohammed deuten.
Am Vormittag des gleichen Tages heiratete er im Straßburer Münster Susanne Erhard, mit der er elf Kinder haben sollte.
Das Bild zeigt die Statue von Spener auf dem Gesims des Palais universitaire de Strasbourg neben Gotthold Ephraim Lessing und Friedrich Schleiermacher.

Die Statue von Philipp Jakob Spener auf dem Sims des Palais universitaire de Strasbourg

Diese Datei wurde als frei von jeglichen bekannten Einschränkungen des Urheberrechts, einschließlich verbundener und benachbarter Rechte erkannt.Quelle: http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Lessing-Schleiermacher-Spener-Strasbourg.jpg
« Ältere Beiträge Neuere Beiträge »