zum Welt-Nichtrauchertag der WHO
Auf die absonderliche fragen zu kommen, ist die erste wegen des taback-bauens, von dem ich nicht in abrede bin, daß mit geliebtem bruder nicht einerley meynung seye, noch solchen bau vor sündlich halten könnte, auch die daran arbeiten, davon nicht abhalten wolte. Es ist nicht allein das gewächs an sich so wol ein geschöpffe GOTTES als andere, sondern auch dem menschlichen geschlechte nutz. Und ob wol nicht ohn ist, daß der allermeiste taback unnützlich und mit sünden gebrauchet wird, höre ich (der aus eigener erfahrung nichts weiß, noch je desgleichen getruncken habe) doch so von medicis als andern leuten, daß dessen mäßiger gebrauch so wol der gesundheit gewisser leute vorträglich, als einigen, so zum exempel auf denen schiffen dienen, fast nothwendig seye, nicht weniger in dem krieg oftmals denen, so ihre speisen nicht nach der gesundheit haben können, vielen vortheil thue; wie also derselbe seinen nutzen hat, so kann auch einem ort und land daran zu seiner mehrern nahrung viel gelegen seyn, daß des jenigen eine ziemliche quantität gebauet und bereitet werde, so an andere ort verführet einiges geld in das land bringet; wie mir orte bekannt sind, deren meiste einkunften aus taback bestehen, so nach den Niederlanden verführet wird. Da also der taback ein an sich nützliches gewächs ist, so mag der mißbrauch desselben, wie sehr er auch eingerissen ist, den bau und bereitung nicht sündlich machen, als lange die bauende und bereitende zu dem mißbrauch nicht selbs mit helffen. So wenig als wein zu bauen, bier zu brauen, brandewein zu brennen, vor unrecht geachtet werden mag, ob wol von allen denselben wo nicht das meiste, doch gewiß nicht viel weniger, als dasselbe, mehr zum miß- als rechten gebrauch angewendet wird.

(Ph. J. Spener, Theologische Bedencken, Teil 1.1, Halle 1700, 680.)